Ratgeber · Kiel & Schleswig-Holstein

Die häufigsten Aufzugsstörungen und ihre Ursachen

Die meisten Aufzugsstörungen entstehen im Türbereich. Lichtgitter, Türantrieb, Rollen und Verriegelung arbeiten bei jeder Fahrt mit, verschleißen entsprechend schnell und öffnen bei einer Abweichung den Sicherheitskreis. Danach folgen Fehler in Steuerung und Relaistechnik, Probleme an Antrieb und Bremse, Nivellierfehler sowie Verschmutzung im Schacht.

Warum die Tür die häufigste Störungsquelle ist

Fahrschachttür und Kabinentür sind die einzigen Bauteile einer Aufzugsanlage, die bei jeder einzelnen Fahrt zweimal bewegt werden. Bei mehreren tausend Fahrten im Monat summiert sich das zu einer sehr hohen Zahl an Lastwechseln. Verschleiß zeigt sich deshalb dort zuerst.

Typisch sind ausgeschlagene Türrollen, verschlissene Gleitschuhe in der Schwelle, verstellte Schleppschuhe und ein Türantrieb, dessen Laufkurve nicht mehr stimmt. Dazu kommt die Lichtschranke. Verschmutzte oder dejustierte Optik lässt die Tür immer wieder aufsteuern, ohne dass ein Hindernis vorhanden ist.

Die Türverriegelung ist der kritische Punkt. Sie meldet der Steuerung, dass die Schachttür geschlossen und verriegelt ist. Bleibt dieses Signal aus, fährt die Anlage nicht. Das ist kein Defekt der Sicherheitstechnik, sondern ihre bestimmungsgemäße Funktion.

  • Kleinteile, Streugut oder Bauschutt in der Türschwelle blockieren den Gleitschuh und stoppen die Türbewegung
  • Verschlissene Türrollen erzeugen Rattern, ungleichmäßigen Lauf und schließlich einen Türfehler in der Steuerung
  • Ein verstellter Schleppschuh entkoppelt Kabinen- und Schachttür, die Verriegelung schließt nicht sauber
  • Nachgebende Türführungen lassen das Türblatt kippen und schleifen

Was der Sicherheitskreis tut, wenn eine Störung auftritt

Der Sicherheitskreis ist eine Kette in Reihe geschalteter Kontakte: Schachttürkontakte, Kabinentürkontakt, Endschalter, Fangvorrichtung, Geschwindigkeitsbegrenzer und die Nothalt-Taster in Kabine und Schachtgrube. Öffnet ein einziger dieser Kontakte, steht der Aufzug. Die Steuerung darf ihn dann nicht mehr bewegen.

Für die Fehlersuche ist das zugleich hilfreich und aufwendig. Die Anlage meldet zuverlässig, dass etwas nicht stimmt, aber nicht immer eindeutig, wo. Neuere Steuerungen zeigen den zuletzt geöffneten Abschnitt im Fehlerspeicher an. Bei älterer Relaistechnik wird der Kreis abschnittsweise gemessen.

Häufige Auslöser sind ein gedrückter Nothalt in der Schachtgrube nach Reinigungsarbeiten, ein oxidierter Türkontakt, ein Kabelbruch in der Hängeleitung oder eine ausgelöste Fangvorrichtung.

Steuerung, Relais und Frequenzumrichter als Fehlerquelle

In der Steuerung zeigen sich zwei sehr unterschiedliche Fehlerbilder. Bei Relaistechnik sind es abgebrannte oder verklebte Kontakte, gelockerte Klemmen und gealterte Schütze. Solche Fehler treten oft sporadisch auf und verschwinden scheinbar von selbst, wenn sich Temperatur oder Last ändern.

Bei elektronischen Steuerungen dominieren andere Ursachen: leere Pufferbatterien, defekte Netzteile, Kondensatoren am Ende ihrer Lebensdauer und Störungen des Frequenzumrichters. Ein Umrichter meldet dann Überstrom, Übertemperatur oder einen Encoder-Fehler. Der Code ist herstellerspezifisch und ohne Anlagendokumentation kaum zu deuten.

Wärme, Feuchtigkeit und Staub im Triebwerksraum verkürzen die Lebensdauer der Elektronik. Ein Schaltschrank unter dem Dach ohne Belüftung fällt im Sommer deutlich häufiger aus als derselbe Schrank in einem temperierten Raum.

Antrieb, Bremse und Nivellierfehler an der Etage

Hält die Kabine nicht bündig zur Etage, sprechen Fachleute von einem Nivellierfehler. Die Stufe ist eine Stolperstelle und für Rollstuhl oder Rollator ein echtes Hindernis.

Bei Seilaufzügen liegen die Ursachen meist an nachlassender Bremse, verschlissenen Belägen, gelängten Tragseilen, eingelaufenen Treibscheibenrillen oder einem verstellten Etagengeber. Bei Hydraulikaufzügen ist Absacken typisch: Die Kabine sinkt im Stand langsam ab, weil ein Ventil intern undicht ist oder sich die Öltemperatur geändert hat.

Auffällige Geräusche gehören in dieselbe Gruppe. Rhythmisches Schlagen deutet auf Getriebe oder Lager hin, Quietschen beim Anfahren häufig auf Führungsschuhe oder Bremse, ein schleifendes Geräusch über die ganze Fahrt oft auf trockene Führungsschienen.

Verschmutzung im Schacht wird als Ursache unterschätzt

Im Schacht sammelt sich über Jahre eine Mischung aus Seilabrieb, Ölnebel, Bauschutt und Staub. Diese Ablagerungen setzen sich in Türschwellen, auf Etagengebern, an Schaltfahnen und Endschaltern ab und verursachen genau die sporadischen Fehler, die bei der Diagnose am meisten Zeit kosten.

In der Schachtgrube kommt Wasser hinzu. Eindringende Feuchtigkeit oder Kondensat lässt Kontakte oxidieren und Puffer korrodieren. Eine nasse Grube ist ein häufiger Grund für wiederkehrende Störungen ohne erkennbares Muster.

Eine Schachtreinigung mit anschließender Kontrolle der Schaltelemente ist deshalb oft die günstigste Maßnahme gegen eine Störungshäufung. Sie ersetzt keinen Bauteiltausch, macht die eigentliche Fehlersuche aber überhaupt erst belastbar.

Was Betreiber selbst prüfen dürfen und wo Schluss ist

Betreiber sind nach Betriebssicherheitsverordnung verpflichtet, die Anlage regelmäßig auf offensichtliche Mängel zu kontrollieren. Diese Kontrolle findet ausschließlich von den Etagen und aus der Kabine heraus statt. Sie ersetzt weder die Wartung noch die Prüfung durch eine zugelassene Überwachungsstelle.

Zulässig ist alles, was ohne Werkzeug und ohne Betreten von Schacht, Schachtgrube oder Triebwerksraum funktioniert. Nicht zulässig ist jeder Eingriff in Steuerung, Sicherheitskreis oder Antrieb. Das Öffnen einer Schachttür mit dem Notentriegelungsschlüssel ist lebensgefährlich und ausschließlich unterwiesenen Befreiungspersonen vorbehalten.

Bei häufigen Störungen hilft ein einfaches Protokoll: Datum, Uhrzeit, Etage, Fehlerbild, Belegung. Solche Notizen machen Muster sichtbar, die ein einzelner Serviceeinsatz nie zeigen würde.

  • Türschwellen sichtbar frei halten und grobe Fremdkörper entfernen
  • Notruf regelmäßig auslösen und prüfen, ob eine ständig besetzte Stelle antwortet
  • Beleuchtung in Kabine und vor den Türen auf Funktion ansehen
  • Rucken, ungewohnte Geräusche und Stufenbildung notieren statt abwarten
  • Prüfbescheinigung und Notfallplan am Betriebsort auffindbar halten

Wann Reparatur reicht und wann Modernisierung sinnvoll wird

Eine einzelne Störung ist ein Reparaturfall. Wiederkehrende Fehler desselben Bauteils, abgekündigte Ersatzteile für die Steuerung und sicherheitserhebliche Mängel aus der wiederkehrenden Prüfung verschieben die Rechnung. Dann steht der Austausch einer Baugruppe im Raum, nicht der nächste Notruf.

TA-Technik arbeitet herstellerunabhängig an bestehenden Anlagen aller Fabrikate und beurteilt zuerst, ob eine Reparatur den Zustand dauerhaft herstellt. Erst wenn das nicht mehr wirtschaftlich ist, geht es um einzelne Module wie Steuerung, Türantrieb oder Notrufsystem. Ansprechpartner ist Tim Austein mit über 20 Jahren Berufserfahrung in der Aufzugstechnik.

Häufige Fragen

In den meisten Fällen hat ein Kontakt im Sicherheitskreis geöffnet. Dieser Kreis verbindet Türkontakte, Endschalter, Nothalt-Taster und Fangvorrichtung in Reihe. Ein einziger geöffneter Kontakt verhindert jede Fahrt. Ein gedrückter Nothalt in der Schachtgrube oder ein oxidierter Türkontakt wirkt von außen unauffällig, hat aber dieselbe Folge wie ein schwerer Defekt.

Eine Stufe zwischen Kabinenboden und Etage ist eine Stolperstelle und für Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen ein Hindernis. Bei Seilaufzügen deutet sie auf Bremse, gelängte Tragseile oder einen verstellten Etagengeber hin, bei Hydraulikaufzügen häufig auf ein undichtes Ventil. Der Fehler wächst meist langsam und sollte vor der nächsten Prüfung behoben werden.

Eine gesetzlich feste Zahl gibt es nicht. Der Betreiber legt Art, Umfang und Fristen in der Gefährdungsbeurteilung fest, auf Basis der Herstellerangaben und der Nutzungsintensität. Als Orientierung staffelt VDI 3810 Blatt 6 die Häufigkeit nach Fahrtenzahl. Stark genutzte Anlagen brauchen deutlich mehr Termine als ein Aufzug in einem kleinen Wohnhaus.

Zuerst über den Notruf in der Kabine Kontakt herstellen. Das Zweiwege-Kommunikationssystem muss nach Betriebssicherheitsverordnung eine ständig besetzte Stelle erreichen. Eingeschlossene Personen bleiben in der Kabine und versuchen nicht, die Tür zu öffnen. Die Befreiung führen ausschließlich unterwiesene Befreiungspersonen nach dem Notfallplan durch.

Abgekündigte Baugruppen führen zu längeren Stillstandszeiten, weil auf Gebrauchtteile gewartet werden muss. In dieser Lage lohnt der Vergleich zwischen wiederholten Reparaturen und dem Austausch der Steuerung als Modul. Entscheidend sind Fehlerhäufigkeit, Ersatzteillage sowie der Zustand von Antrieb und Türen, nicht allein das Baujahr.

Ja. Weder die Betriebssicherheitsverordnung noch die Aufzugsrichtlinie binden die Instandhaltung an den Hersteller. Verlangt wird fachkundiges Personal. Praktische Hürden können proprietäre Steuerungen, Servicetools und Zugangscodes sein. Ein laufender Wartungsvertrag muss zudem fristgerecht gekündigt werden, bevor ein anderer Betrieb die Betreuung dauerhaft übernimmt.

Sprechen wir über Ihre Anlage.

Wenn dieselbe Störung wiederkehrt, lohnt eine Diagnose an der Anlage statt der nächsten Quittierung an der Steuerung.

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AnsprechpartnerTim Austein